Zinspolitik

Was hat Herr Bernanke vor ca. 2 Wochen verkündet? Genau: Die weiterhin verhaltene Inflation mit aktuell lediglich 1,2% hält die Fed davon ab, geldpolitisch die Zügel anzuziehen – will heißen: die Fed überschwemmt die Märkte weiterhin mit Liquidität.

Wo befinden wir uns im Konjunkturzyklus? Wenn man davon ausgeht, dass der Konjunkturzyklus und die Beeinflussung dessen Verlaufs durch geldpolitische Maßnahmen der Zentralbanken der Ausgangspunkt für das Vorhandsein von mehr oder weniger Liquidität an den Märkten ist, dann befinden wir uns im Übergang von Phase 5 zu Phase 6 ( nach Garz,Günther, Moriabadi; Portfoliomanagement): Wir blicken zurück auf eine Phase sinkender Zinsen und hoher Liquidität, die noch nicht in der Realwirtschaft angekommen war. Diese Liquidität trieb die Aktienkurse kräftig nach oben (Liquiditätshausse). Kurse am Aktien- und Rentenmarkt steigen in dieser Zeit parallel. Nun befindet sich die Wirtschaft schon fast auf einem gesunden Wachstumspfad, die Inflation vollzieht ihre Bodenbildung bzw. steigt leicht an. Damit endet in der Regel die expansive Notenbankpolitik. Mit seiner Bemerkung hat Herr Bernanke den Anlegern bereits die Korrektur seiner Geldpolitik – wenn auch weich – angekündigt und damit ausgesprochen, was irgendwann einsetzen muss: weniger Liquidität und steigende Geldmarktzinsen (die Refinanzierungsquelle der Geschäftsbanken).

Welche Auswirkungen hat dies auf den Aktienmarkt? Die Aktienkurse korrigieren zunächst wegen des Auslaufens der Zinsunterstützung nach unten. Kommt es nun zu dem erwarteten konjunkturellen Aufschwung mit steigenden Unternehmensgewinnen und guten Ertragsaussichten bei den Unternehmen, so können die Aktienmärkte trotz steigender Zinsen weiter zulegen – allerdings in geringerem Tempo als während der Liquiditätshausse. Die nun folgende Steigerung am Aktienmarkt nennt man Gewinnhausse, weil sie auf dem Steigen der Unternehmensgewinne basiert. Diese Phase dauert in der Regel länger an.

Was erwartet uns demnach in den nächsten Monaten? Konkretisieren sich die Aussagen der Fed zur Zinsentwicklung und lässt man gar die Zinsen tatsächlich steigen oder kündigt dies an, kommt es zur Korrektur an den Aktienmärkten. Je nachdem, wie stark und ausgeprägt die Liquiditätshausse war, fällt diese Korrektur mehr oder weniger stark aus. Nur eins ist sicher: sie kommt. Danach werden sich die Märkte mit guten Nachrichten aus der Wirtschaft bald erholen und im Anschluss wieder steigen. Dieser Anstieg wird erst gestoppt, wenn folgende (Warn)Signale auftreten (mind. 2): deutlich steigende Zinsen (auch am Geldmarkt), Einbruch der Konjunktur und Unternehmensgewinne oder stark überhöhtes Bewertungsniveau.

Aber davon sind wir wohl weit entfernt. Zunächst gilt es die kleine Korrektur abzuwarten – ob die vor Jahresende noch kommt, bleibt abzuwarten.

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